Kunst am Bau

1. Preis, Kunst am Bau Wettbewerb, 2001

„Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Neubau des Fachbereichs Chemie, 1.Bauabschnitt, künstlerische Ausgestaltung der Stützmauer des Tiefhofes der Bibliothek des Fachbereichs Chemie“
Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner, Stuttgart

Erläuterungsbericht

Mit den Werkstoffen Email und Stahl, kombiniert in der Gestaltung einer rundum emaillierten Paneele mit jeweils 4-seitigem Umbug, lässt sich meine Vorstellung von einer starkfarbigen, polychromen, einfach gesetzten Komposition von Farbfeldern am überzeugensten realisieren. Hinzu kommen die bestechenden, für den Außenbereich hervorragenden Materialeigenschaften der emaillierten Stahlplatte: Email und Stahl sind nicht entflammbar. Die Emailbeschichtungen gewähren einen dauerhaften Korrosionsschutz, dabei werden Rostunterwanderungen und Kontaktkorrosionen unterbunden. Selbst intensive Sonneneinstrahlung kann die emaillierte Oberfläche farblich nicht verändern. Kleber und andere chemische Stoffe, wie Graffitirückstände lassen sich von den glasglatten Emailoberflächen sehr leicht entfernen.

Von einer ganzflächigen Verkleidung der Wand habe ich Abstand genommen, insbesondere da die bereits montierten und in die Wand versenkten Rundstrahler, und auch die Verschalungsnähte-und narben der Stützmauer ein sehr eigenes Gepräge verleihen, welches ich unterstützen möchte, indem ich diese als Negativflächen ergänzend zu den Positivflächen der farbigen Emailstreifen setze. Auch von einer Einbeziehung der, links der Wand vorgelagerten und schräg in das Gebäude einschneidenden Wandfläche, in den Entwurf bin ich abgerückt, da mir dies ein zu gravierender Eingriff in die überzeugende Geschlossenheit des architektonischen Konzepts erscheint.

Das ermittelte Maß der 6 vertikal an der Stützmauer angebrachten Emailbänder ergab sich aus den vorgegebenen Strukturmomenten. Die 3 Rundlichter befinden sich in einer optischen Mitte zu den Emailflächen, wobei jeweils eine senkrechte Narbenreihung hinter der Verkleidung verschwindet. Die vertikalen Sichtbetonnähte bleiben offenstehen. Sie bestimmen sogar den Ort der Placierung der Emailelemente. Die jeweils einmalige horizontale Unterteilung der Bänder orientiert sich ebenfalls am Maß der strukturierten Wand und fällt an der Unterkante der oberen Platten mit einer horizontal durchlaufenden Naht und an der jeweils rechten Längskante beider Platten mit den senkrecht durchlaufenden Nähten zusammen, so daß ein, durch die Tiefe des Emailkörpers verursachter Schatten mit der vorhandenen Verschattung der Betonnaht zusammenfällt und diesen verstärkt.

Ganz links wird das helle durchgehend lichtblaue Band zu einem Drittel von der vorgelagerten hochragenden Wand verdeckt, bleibt aber sichtbar aus einer anderen schrägen Perspektive, oder auch für Personen, die dort durch die Tür in die Bibliothek gelangen. Die Flächen der unteren Reihung sind dem Gelände entsprechend angeschrägt, zuerst in der einen, dann in der anderen, sehr steil nach rechts oben weisenden Richtung, bedingt durch die Höhenunterschiede im angrenzenden Gelände. Es ist mir daran gelegen, die untere Bodenkante der Emailelemente frei zu setzen und nicht im Erdreich verschwinden zu lassen. Die genauen Farbwerte der Emailelemente werden nach normierten Ralwerten ermittelt und nach persönlicher Begutachtung vor Ort ausgesucht. Die endgültige Farbschicht sitzt auf einem schwarzblauen Grundemail, das den gesamten Stahlkorpus auch an seiner Rückseite überdeckt. Das Farbemail zieht sich über die Fläche, deren Kanten und den gesamten 4-seitigen Umbug.

Der plastische Charakter des Emailkörpers ergibt sich durch die, an allen 4 Seiten rechtwinklig nach hinten abgebogenen Kanten, die je nach Angabe eine bestimmte, festgelegte Tiefe des Blechkörpers bedingen. Als Korpustiefe empfehle ich einen Wert von 2.5cm (Mindestwert für Umbug), wodurch die skulpturale, dreidimensionale Komponente der Installation eine Verstärkung erfährt, aber dennoch als primär farbige Komposition und eher dem Relief nahestehende Formulierung der Fläche verbunden bleibt. Die notwendige Hinterlüftung der Fassadenelemente ergibt sich zwangsläufig aus der Korpustiefe und dem dadurch entstandenenehenden Hohlraum auf der Rückseite der Blechkörper

Beschreibung der Befestigung

An den Emailblechen werden vor der Emaillierung je 6 Gewindebolzen M6x20mm angeschweißt, bei den kleinen Platten je 4 Stück. Nach der Emaillierung werden auf diesen Gewindebolzen gößere Bolzen mit einem Durchmesser von je 10 x 100mm befestigt. Diese Bolzen werden mittels Hilti -Hit, einem 2 Komponenten-Beton-Kleber an der Wand befestigt. Bei dieser Befestigungsvariante sind keine Schraublöcher zu sehen, allerdings kann hier eine spätere Demontage der Paneele nur unter Beschädigung der Emailplatten stattfinden. Bei diese Methode hat auch sehr starker Wind keinerlei Einfluß auf die Stabilität der montierten Bleche.

Beschreibung der Farbpalette

Ral 1016 Schwefelgelb auf weißem Grundemail für Paneele 2a/b und für 6
(Mustertafel zu gelb. Eine Aufhellung des Farbwertes ist möglich !)
Ral 1028 Melonengelb auf normalem Grundemail für Paneele 4a/b
Ral 3015 Hellrosa auf normalem Grundemail für Paneele 4a/b
Ral 3020 Verkehrsrot auf normalem Grundemail für Paneele 2a und 5a
Ral 5002 Ultramarin auf normalem Grundemail für Paneele 3a und eventuel auch 5a/b
Ral 5013 Kobaltblau für Paneele 5a/b
Ral 5012 Lichtblau auf normalem Grundemail für Paneele 1a/b
Ral 6018 Gelbgrün auf normalem Grundemail für Paneele 3a/b

Kunst am Bau